NR. 7
8. August 2007So, diese letzte Pause der “Geschichte eines Jungen” war etwas zu lange, ich gebe es zu. Aber vielleicht liegt es daran, dass das Leben von Sepi, zu jener Zeit (Anfang bis Mitte der 90er) schon über 10 Jahre zurück liegt und die gedanklich gespeicherten Dokumente sich nicht umbedingt häufen, sonder eher im Gegenteil. Sie werden weniger! - wer hätte das gedacht? Und trotzdem soll mich das nicht weiter abhalten, die Geschichte weiterzuerzählen.
Sepi ist also zwischen 10 und 12 Jahre alt - entweder in der vierten, fünften oder sechsten Klasse.
Doch Heute will ich nicht über Schulklassen erzälen, sonder über das Fahrrad, über den Sepi, über Asphalt, Schotter und Wunden.
Das Fahrradfahren - ein Tätigkeit, die viele kennen und die einen zentralen Stellenwert für aufwachsend Jungs (natürlich auch Mädchen aber nicht in der selben, zu oft gefährlichen Form) in Gambach hatte. Vielleicht ist es Heute auch noch so, wenn zwischen dem Computer spielen und dem Chatten mal eine Cola geholt werden muss - aber dazu kann ich keine genauen Informationen geben. Jedenfalls war für Sepi und seine Freunde das Fahrrad nicht nur ein Fortbewegungsmittel. Es war ein Lebensstiel - es war Freiheit.
Doch fangen wir mal von vorne an. Anfangs, in Gambach, hatte Sepi nicht das Rad, welches er gerne gehabt hätte - von dem er träumte. Ein BMX. In Peru hatte er ungefähr ein Jahr bevor es nach Deutschland ging ein nagelneues BMX bekommen - ein gelbes. Es war ein fettes Bike, dass wegen der Auswanderung auf einem Flohmarkt für 80 Dollar verkauft werden musste. Man kann nicht so einfach ein Fahrrad in eine Flugzeug transportieren - es ist ja keine Kamera. Aber naja, ich glaube so schwer nahm es Sepi nicht.
Das erste Rad hier in Deutschland wurde geerbt. Dies aber nicht weil der Vorbesitzer verstorben war, sonder weil das vererbte Fahrrad, ein roter Kinder-Rennrad, alt und verrostet war und er (der Vorbesitzer) ein neues haben wollte. Naja, dankbar sein - besser als nichts. Das war es also, ein altes rotes Rennrad, wahrscheinlich Baujahr Ende 70er. Der Sattel war aus hartem, schwarzem Plastik und wippte vor und zurück. So konnte Sepi auch ganz gut manche Schlaglöcher schmerzhaft in Erinnerung behalten. Die Bremsen hatten ihre besten Tag auch schon längst hinter sich. Doch wozu hat man Schuhe? Der nach unten gebogene Lenker war nicht mehr original gepolstert, sonder hatte eine Mischung aus Kordel und Teflon-Band als Grifffläche. Das war allerdings kein großes Problem. Es war kein BMX. Es war einfach kein BMX! Aber es hatte 6 Gänge und lief.

(Stellt euch dieses rot und noch älter und rostiger vor)
Und so wurde aus dem Ding alles rausgeholt, was nur ging. Die Fahrten auf den Strassen des Ortes waren ja kein Problem, wenn da nicht immer diese Gullydeckel vor einem auftauchten und zum drüber springen zwangen. Ja, das war ein Zwang - Wettbewerb und so halt. Aber das Gefühl kurze Zeit in der Luft zu sein - zu fliegen - war wahrscheinlich doch eher der Hauptgrund. Hier haben wir ihn wider, den Drang nach Freiheit. Doch ist diese Freiheit eine wacklige, quietschende und harte Freiheit, wenn man ein altes Rennrad hat. Und jeder weiß, diese Dinger haben unheimlich dünne Reifen, die einfach nicht zum springen gemacht worden sind. Das ist dann auch der Teil der Geschichte mit den Wunden und den Prellungen. Asphalt kann so gemein sein! Und sein Helfer Metallrahmen auch. Aber was will man machen, ein Junge in diesem alter will fliegen! So sind auch die immer wiederkehrenden Sprünge von großen Baustellen-Erdhaufen, von jedem Mäuerchen das einem auf dem Weg begegnet und wenn man am Meer ist, dann auch von abgehackten Sanddünen, zu erklären. Doch jetzt wieder zum Fahrrad.
Nun hat Gambach ja nicht nur asphaltierte Strassen. Wer den Ort kennt, weiß das er von Feld eingeschlossen ist. Anders gesagt, man fährt auf einer Landstraße, umzingelt von Feldern und plötzlich ist man in Gambach. Und wer Feld kennt, der weiß auch dass es Feldwege gibt. Feldwege wiederum haben die Eigenschaft, das sie meistens sehr uneben sind. In der Mitte ist eine ca. 10 cm - 50 cm breite Wölbung nach oben auf der Gras wächst. An jeweils beiden Seiten fräsen sich die Fahrspuren der Traktoren (in Gambach Bulldok genannt) in die Erde. Dies tun sie aber nicht symmetrisch wie es sich jetzt vielleicht anhört. Nein, manchmal ist es nur ein Höhenunterschied von 3 cm und manchmal einer von 20 cm. Oft liegt dann auch noch Steingeröll an den ungünstigsten Stellen. So fällt es einem auch nicht schwer sich vorzustellen, wie Sepi mit seinem alten, klapprigen, roten Kinder-Rennrad und dessen schmale Räder, oft und hart auf die Fresse fallen musste.

(für alle jene, die noch nie einen Feldweg zu sehn bekommen haben)
Ein BMX musste her! (Eigentlich wäre für diese Fahrbahn-Bedingungen ein Mountainbike von größeren Nutzen gewesen. Doch er wollte ein BMX.)
Fortsetzung folgt …









