WAS NICHT ALLES SEIN KÖNNTE? - (Hypotag Teil V)
3. Februar 2008Ihr dachtet doch nicht etwa, ich beende den Hypotag einfach so.

Du willst also noch etwas aus dem Tag machen. Es soll wenigsten eine nützliche Handlung geben, an die du dich erinnerst, wenn du später im Bett liegst. Die Suppe die du aßt war zwar nützlich, doch an Essen denken ist nichts was dich zum Schlafen leitet - eher leitet es dich wieder in die Küche, wo den Kühlschrank öffnest und gnadenlos alles in dich hineinstopfst was noch nicht abgelaufen ist. Nein, nein. Es muss etwas nützliches her.
Du denkst an das Bad - es müsste geputzt werden. Spinnen sind zwar süß aber wenn du duschst, sterben sie nur. Und das wiederum nervt dich, denn sie fallen auf deinen Arm oder auf deinen Bauch oder sonst wo hin. Und du weißt genau wie schwer es ist, nasses Etwas von der Haut zu entfernen. Die Dusche muss sauber gemacht werden.
Auf dem weg zum Bad überrascht dich die Klingel. Sie überrascht dich, weil du eigentlich Niemanden erwartest. Aus Neugier öffnest du die Tür. Die Dusche kann warten. Ein Mann kommt die Treppe hoch. Du kennst ihn nicht. Alles was du weißt, ist das er ein Hut trägt und ein Koffer in der Hand hat. Was will ein Mann mit einem Koffer der auch noch einen Hut trägt von dir? Er hat sich wohl die Falsche Hausnummer notiert.
“Sind sie Steffan Gerd?” - “Ja.” - “Gut. Das ist von ihrer Tante aus Rom. Guten Tag.”
Er stellt den Koffer vor deine Tür und geht.
Welche Tante in Rom willst du ihn fragen. Doch da ist er schon weg.
Jetzt wunderst du dich. Tante? Rom? Deine Eltern sind Einzelkinder. Das jedenfalls denkst du. Was solltest du auch sonst denken. Deine Mutter erzählte dir immer, du hättest weder Tanten noch Onkel als du nach ihren Geschenken zu deinem Geburtstag fragtest. Micha, dein bester Freund bekam immer etwas von seinem Onkel Herbert. Ein Fahrrad, ein Fernglas, ein Gameboy, ein Gamboy Color als dieser rauskam, ein Flasche Vodka zu der Konfirmation. Das machte dich stutzig - damals im zarten alter von 14 Jahren. Inzwischen hast du diesen Schmerz vergessen und kaufst ganz von alleine deinen Vodka.
Schlecht nur, dass die Eltern gerade in Spanien sind. Sie zu frage würde Sicherheit bringen. Tante oder nicht - diese Frage quält dich. Doch du kannst sie nicht erreichen. “So ein Scheiß!”. Du musst warten. Es bleibt nur der Koffer - der Koffer und du. Vielleicht befindet sich die Lösung innerhalb des Gepäckstückes.
Als du ihn öffnest findest du etwas vor, was du nie erwartest hättest. Ein Musikinstrument. Kein Fahrrad, kein Fernglas, kein Gameboy oder Gameboy Color und auch keine Flasche Vodka. Nicht einmal Kleidung, Papiere, Bilder oder ein Zettel mit einer Nachricht und einem Gruß. Nichts! Nur ein Musikinstrument. Im ersten Moment kommst du nicht auf den Namen. Es ist ein Akkordeon. Wikipedia sagt es so.
Inzwischen ist es fünf und die Dusche kann bis morgen warten.
Du holst das Akkordeon heraus und machst Musik. Du vergisst die Zeit und denkst an eine Tante die du nicht kennst - von der du noch nie etwas gehört hast.
Fortsetzung folgt …
